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Formelhafte Vorsatzbildung

Formalhafte Vorsatzbildung

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit grundsätzlichen Fragen, wann eine formelhafte Vorsatzbildung eingesetzt werden kann und wozu sich personalisierte Formeln eignen. Nach einem kleinen Exkurs in die Geschichte und Anfängen von Autosuggestion werde ich versuchen, zu erklären, wie Vorsatzformeln kreiert werden und was eine Entspannungsfachperson dabei beachten sollte.

Die Wirksamkeit von Suggestion ist seit Jahrhunderten bekannt und wurde von Ärzten und Heilern schon im Altertum eingesetzt. Schamanen wussten, dass Sätze und bildhafte Vorstellungen besonders wirkten, wenn ein Trancezustand induziert war.

Der Begründer der modernen Autosuggestion Emile Coué (1857-1926), ein französischer Apotheker und Psychotherapeut, beschrieb als erster die Wirkung der Autosuggestion. Coué stellte fest, dass es einen grossen Unterschied machte, wenn er den Kunden jeweils bei der Übergabe der verschriebenen Pillen mitteilte, dass der Arzt ein wirklich gutes Medikament verschrieben habe, das bestimmt helfen werde. Die Patienten, denen er dies sagte, waren meist rascher geheilt, als diejenigen, denen er das Medikament wortlos übergab. Entscheidend war dabei aber, ob die Botschaft beim Patienten ankam und er sie autosuggestiv umsetzte. [1]

Coué und Schultz hatten eine Gemeinsamkeit: Sie ersetzten den fremd suggerierten hypnotischen Zustand durch die Selbstinstruktion (autogen). [2]

Bei Schultz sollte der Übende im konzentrativ, versenkten Zustand die Vorsatzformel intensiv assimilieren, sodass sich nach einer gewissen Zeit die Wirkung automatisch einstelle. [3]

Bei der formelhaften Vorsatzbildung wird ein gewünschtes, beabsichtigtes Ziel in Form von einem prägnanten Satz so eintrainiert und kognitiv fixiert, dass diese zu einem gewünschten Zeitpunkt umgesetzt werden kann.

Mit dem Vorsatz soll ein bestimmtes Verhalten beeinflusst, korrigiert, oder ein neues Verhalten etabliert werden, das mit dem alten Verhalten nicht mehr kompatibel ist.

Der Teilnehmer soll mit der Vorsatzbildung lästige Gewohnheiten loslassen lernen und das Verhalten beeinflussen können. Die Vorsatzbildung kann aber dazu benutzt werden, um sich bewusst für eine positive Alternativhandlung zu entscheiden (z. B. statt Schokolade, Früchte essen).

Dabei soll die Umsetzung nach einer angemessenen Trainingszeit von mehreren Wochen, bei täglichem Training, automatisch geschehen. Negative Beeinflussung soll über die Wirkung auf das Unterbewusstsein, unterbrochen und positive gefördert werden.

Bevor eine Vorsatzformel eingesetzt wird, sollte überlegt werden, ob das Problem des Klienten eines therapeutischen Settings bedarf und eine umfangreiche, professionelle Behandlung besser geeignet ist, als eine konzentrative Versenkung mit einer Vorsatzbildung.

Die formelhafte Vorsatzbildung, sollte erst eingesetzt werden, wenn der Teilnehmer, die Grundstufen des autogenen Trainings vollständig umgesetzt werden können und die organismische Umschaltung routiniert eingestellt werden kann.

Die Gestaltung der formelhaften Vorsatzbildung wird von Teilnehmer zusammen mit der Entspannungsfachperson (oder Arzt oder Therapeuten) erarbeitet. Die Entspannungsfachperson soll dabei beratend zur Seite stehen.

Bei der Gestaltung sollten ein paar wichtige Grundsätze beachtet werden. Kurze, prägnante Sätze. Eine positive Wortwahl, die Ich-Form und Formulierung im Präsens sind wichtig. Der zu verändernde Zustand ist meist negativ besetzt und sollte in keiner negativen Form, auch nicht als Indifferenzformel (z. B. gleichgültig), in der Vorsatzformel enthalten sein. Hirngerechte Formeln enthalten keine negativen Empfindungen, Negationen oder Indifferenzformulierungen. Bei Schmerzen beim Gehen könnte die Formel z. B. «Ich gehe locker und leicht» lauten.
Der Patient soll sich dabei identifizieren können und eine persönliche Sprachform und Rhythmus entwickeln. Dialekt und religiöse Angehörigkeit können durchaus eine wichtige Rolle spielen. Die Formel soll dem Wertesystem des Patienten entsprechen.

Meist wird vergessen, daran zu denken, dass die Formel unbedingt realisierbar sein sollte, da sonst Enttäuschung vorprogrammiert ist und unnötig die Wirksamkeit des autogenen Trainings infrage gestellt wird.

Die Formel soll danach «trocken» erprobt und moduliert werden. Wenn sie einmal feststeht, sollte an der Formel nicht ständig herumgefeilt werden, sondern über längere Zeit, regelmässig angewendet werden.

Grundsätzliche Fragestellungen zur Erstellung der Formel sind die Problemanalyse, die Definition des Ziels und die erwünschte Veränderung.

Was ist das Problem und wo liegt Ursache des Problems? Wie lässt sich Gleichgültigkeit oder Indifferenz bezüglich des Problems miteinbeziehen. Wenn zum Beispiel Lärm ein störendes Problem ist, könnte dies mit «Geräusche sind gleichgültig» ausformuliert werden.

Bei der Zieldefinition muss der Anwender definieren, welches Ziel er mit dem Vorsatz erreichen möchte. Es geht nicht nur darum, das Ziel zu erkennen, sondern auch festzustellen, wie dieses Ziel erreicht werden kann und was verändert werden muss, um dieses Ziel zu erreichen.

Zusammenfassung

Bei der formelhaften Vorsatzbildung wird ein gewünschtes, beabsichtigtes Ziel in Form von einem prägnanten Satz so eintrainiert und kognitiv fixiert, dass diese zu einem gewünschten Zeitpunkt umgesetzt werden kann.

Bevor eine Vorsatzformel eingesetzt wird, sollte überlegt werden, ob das Problem des Klienten eines therapeutischen Settings bedarf und eine umfangreiche, professionelle Behandlung besser geeignet ist, als eine konzentrative Versenkung mit einer Vorsatzbildung.

Die formelhafte Vorsatzbildung, sollte erst eingesetzt werden, wenn der Teilnehmer, die Grundstufen des autogenen Trainings vollständig umgesetzt werden können und die organismische Umschaltung routiniert eingestellt werden kann.

Die Gestaltung der formelhaften Vorsatzbildung wird von Teilnehmer zusammen mit der Entspannungsfachperson erarbeitet. Die Entspannungsfachperson soll dabei beratend zur Seite stehen.


[1] Derra Claus, Die Kraft der Gedanken, Praxis zkm, 2015

[2] Suggestion, Hypnose und AT, AT7-1, medrelax 2016

[3] Das autogene Training. Konzentrative Selbstentspannung. Versuch einer klinisch-praktischen Darstellung von J.H. Schultz, 19. Unveränderte Auflage, Seite 119,

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